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Hier sammle ich Worte, gesprochene, geschriebene oder mit anderen geteilte: Predigten, Texte, Kolumnen – und gelegentlich auch Stimmen von aussen über meine Arbeit.
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22.09.2024
22. September 2024 – Johanneskirche, Bern
Liebi Gmeind
Vori, wo mr dä Text usem Richterbuech 9 ghört hei, hanis rächt neutrau gläse. U i träge dä letscht Värs us dere Jotam-Fable no einisch chli angers vor:
Dr Dornbusch seit zu de Böim: «We dr würklech mi weit saube, dass i öie Chünig bi, chömet, chömet nume zu mir i Schatte. U we dr aber nid bim Dornbusch Schutz suchet, de schickt er Füür. D’Zedere vom Libanon si gly verbrönnt – i Schutt u Asche. Chömet nume zu mir i Schatte cho Zueflucht suche.»
Drei hei zersch abgwunke, dr Ölboum, dr Fiegeboum u dr Wystock. Di hei nid wöue Chünig wärde, wo sie vo dr Böimeversammlig si agfragt worde. Ihri Frücht bringe u drmit Götter u Mönsche glücklich mache, das isch ihri Bestimmig. Sie hei gfunge was sie wei u chöi u sträbe itz äbe nid drnah über angerne z’throne, so wie me das o chönnt übersetze, wes heisst: «Sollte ich mich wiegen über den Bäumen.» Dr Ölboum, dr Fiegeboum u dr Wystock hei das Agebot, über de Böim z’throne, usgschlage. Sie wei nid über angeri herrsche, es isch ne gnue, dass sie Frucht u drmit Fröid bringe.
Dr Dornbusch, dä reagiert angers. Es tüecht mi i däm Text, er schint säuber chli überrascht d’si, dass sie grad ihn frage. «Wenn ihr wirklich mich salben wollt, damit ich König über euch bin», we dr das tatsächlich weit, de chöit dr scho. U är git o scho grad sis chünigliche Programm düre. «We i de Chünig bi, de erwarte i de öppis vo öich. U we das, wo i erwarte nid zuetrifft, schickeni Füür, Zerstörig u Schmärz.»
Dr Dornbusch, we mr ehrlich si, het ja o nid viu angers z’biete. E Frucht, wo öpperem Fröid macht, treit er nid, sondern Stachle, wo’s eigetlich schwierig mache, bi ihm Zueflucht u Schatte z’finge. U dä seit itz: «Ja, we dr mi zum Chünig weit, i säge sicher nid ab, i nihme das Agebot scho a.»
Was mr bim Läse vo däm Text ono grad düre Chopf gange isch: Wo d Boumversammlig zum Dornbusch cho isch mit dr Frag, ob är wöu Chünig wärde, seit er: «We dr mi weit zum Chünig saube, steuet nech das Biud mau vor, we me e Dornbusch wett isaube.» Das steue i mir bi de angere Böim, Öl-, Fiegeboum, Wystock viu eifacher vor. Scho bim Saube vom Dornbusch, scho bim Vorsteue, dass me dä itz wett saube, müesst eim klar wärde: Das wird schmärzhaft, we dä Chünig wird, das chunnt nid guet.
U hie ändet die Fable, wo dr Jotam de Lüt vo Sichem verzeut het. Är het das de Lüt vo Sichem verzeut, für die Stadt z’warne. Aber i muess e chli witer vore afa. Dr Jotam isch eine vo siebezg Sühn vom Gideon. U dr Gideon isch e sogenannte Richter gsi in Israel, das heisst. er isch äbe nid Chünig gsi. Aber we d’Lüt Frage, Stritigkeite hei gha u Beratige hei nötig gha, si sie zu ihm cho u är het nach bestem Wüsse u Gwüsse ghulfe – ömu am Afang vo sim Läbe.
Im Kapitu 8, auso grad im Kapitu vor dr Jotam-Fable im Richterbuech, säge d’Lüt vo Israel zum Gideon scho einisch: «Wird du üse Chünig.» U sini Antwort isch: «I wirde nie über öich herrsche u mi Suhn o nid. Dr Herr allei söu über öich herrsche.»
Wo de dr Gideon aber gstorbe isch, het das, wie so oft, es Machtvakuum usglöst u dr Abimelech, eine vo sine Sühn, het sech gseit: «We mini viele Brüetsche nid wäre, de wär i alleini dr Nachfouger vom Gideon u i müesst das höche Amt nid mit ihne teile. U drum het er aui sine Brüetsche umbracht. Auerdings äbe nid ganz aui. Dr Jotam isch drvocho, wüu är sich versteckt het gha. Är isch dr jüngscht vo de Sühn vom Gideon gsi.
Irgendwie hei d‘Lüt vo Sichem aber nid ganz begriffe, mit wäm sis da mit em Abimelech z’tüe hei. Wüu sie hei ne du tatsächlich zum Chünig gmacht. U nachdäm das passiert isch, het dr Jotam sini Fable verzeut, die Fable vo de Böim, wo mr vori ghört hei, u drmit d Lüt gwarnet.
«Weit dr würklich eine aus Chünig isetze, wo e Massemörder isch, wo nid drvor zrüggschreckt, sini Macht z’bruche, misszbruche uf ene ganz, ganz scheusslichi Art?» Es isch klar, dass mit em Dornbusch dr Abimelech gmeint isch, wo für d’Lüt vo Israel u Sichem sicher nid e guete Beschützer wär gsi, sondern viu meh e Gfahr. Äbe e Dornbusch mit Stachle, wo verletzt u nid e Fiegeboum mit feine Frücht.
Die Thematik – Macht, Machtmissbruch, wie göh die Obere mit de Ungere um – die wird im Aute Testamänt vo dr Bibu immer wieder ufgnoh. Es isch das, wo d’Bibu für mi unger angerem so faszinierend macht, dass drbi aber de nid eidütig isch, ob ds Chünigtum aus problematisch oder nid problematisch agluegt wird.
Es git Texte im Aute Testämänt, die si pro Chünigtum. Au die Gschichte übere Chünig David – u mir heis vori gsunge – au die Gschichte über d Herrlichkeit vom Salomo. U es git aber o Texte, wo em Chünigtum gägenüber kritisch si.
Was aber bi aune Texte glich isch, was sie aui gmeinsam hei, isch, ob mit Chünig oder nid, ds Lose uf Gott isch das, wo massgäbend isch. Wär Macht het, söu sech bewusst si, dass die Macht nid ohni Pflichte chunnt u im Lose uf Gott söue die Pflichte usegfunge u äbe o pflichtbewusst drnah ghandlet wärde.
U me cha scho säge, we me sech die Gschichte vom Aute Testmänt vorsteut, dass es eigetlich e Anenanderreihig vo Gschichte isch, wo Macht usgnützt u missbrucht wird – u das vo de Outore vo de biblische Büecher immer wieder kritisiert wird, im Bezug uf Gott.
Du Chünig, oder du Afüehrer weisch, dass du nid dr Höchscht bisch, auso blas di nid zum Höchschte uf.
Dr Mose, dr Abraham u o dr Chünig David – bi au dene Figure chunnt das Thema früecher oder speter uf – auso nid nume bi so schreckliche Gstaute wie bim Abimelech, wo zum Massemörder a sine Brüetsche wird.
Eini vo de gröschte Sünde wo vom Chünig David verzeut wird, isch: «…dass er das Volk zählen liess.» Dass er das gmacht het, die Volkszähig, da isch er ufe Houzwäg cho, da het er sini Macht missbrucht – nach de Texte vom Aute Testamänt.
Wüsst dr wieso?
Eine, wo sis Volk lat la zeue, dä steit afe mau über de angere, wüu är zeut ja die angere. Aber es geit no witer. Er weiss nämlich nähr zwe Sache. Er weiss wie viu Stüre, dass er zguet het, wenn er ds Volk zeut het. U er weiss, wie gross sini Armee isch, wenn er weiss, wie viu Manne dass är da zur Verfüehgig het.
D’ Sünd isch drinne, dass si Fokus fautsch isch, so säges die Texte. Är wott sech nämlich la diene, anstatt dass är sis Chünigtum aus Dienscht a de Mönsche versteit. Nei, säge da die biblische Texte. Aus Aführer vom Volk, aus Aführer vore Gruppe bisch nid eifach dä, wo me ihm muess diene, sondern du bisch eifach dr erscht Diener. U so cha dr David, «ein Mann nach dem Herzen Gottes», zu mene Dornbusch wärde, wo dr Fokus verlat, wo nid im Dienscht vo sim Volk steit, sondern die Lüt für sich wott la schufte.
U i frage, wele, wo hüt nach Macht sträbt, macht das, wüu er angerne wott diene? Wär, wo chürzlech gwählt worde isch oder i de nächschte Wuche u Monet gwählt wird, gseht sis höche Amt aus e wahrhaftige Dienscht a de Lüt? D Antwort: Die wo e Stimmzedu hei, hei d’Müglichkeit mit däm Stimmzedu e Antwort uf die Frag zgäh. O ir Jotam-Fable wird auso nid ds Chünigstum grundsätzlich aus schlächti Regierigsform beschriebe, aber es wird uf ene ganz bestimmti Person, nämlich em Abimelech, agwändet u drmit gseit: «We dr e Massemörder über öich aus Chünig isetzet, wunderet nech de nid, we das Schmärze zur Foug het, wie we dr ine Dornbusch inehocket.»
Mir luege itz no ufene angere Chünig. Eine, wo o mit Stachle u Dorne im Zämehang steit. O im Nöie Testamänt vor Bibu chöme Chünige vor. U vo däm, wo i itz wott rede, das isch dr Chünig vo de Chünige – King of Kings.
Är het e Thron u är treit e Chrone. Si Thron isch ds Chrüz u sini Chrone isch us Dorne.
Während dr Dornbusch sini Stachle gäge use treit u drmit angeri verletzt, wo ihm z’noch chöme, nimmt dä Chünig d’Dorne i sich uf. Sini Chrönig isch schmärzhaft, e Verspottig u komplet ohni Ruhm u Ehr u sini Inthronisation isch d’Chrüzigung.
U vo däm säge mir Chrischtinne u Chrischte, är isch dr Chünig vo de Chünige. Während dr Dornbusch i dr Jotam-Fable sini Dorne, sini Stachle agressiv gäge angeri richtet u ne adroht, we si ihm nid fouge, wird dr Chünig vo de Chünige mit Dorne krönt. Är brucht se nid für angerei z’verletzte sondern nimmt ds Lide, wo die Stachle symbolisiere i sich uf.
Das isch e veruckti Gschicht, liebi Gmeind. U die verruckti Gschicht dient üs aus Vorbiud, wie mir üs Gedanke zu Chünigtum, zu Macht u Herrschaft mache. Hei mr ire Machtposition d’Stachle gäge use oder gäge ine? Setze mr Mönsche i üsne Regierige i, wo d’Stachel gäge use oder gäge ine hei? Die Gschicht vo däm Chünig vo de Chünige erinnerit üs o a das: I wotts nid vergässe, dass es Stachle git, viellecht settigi, wo mir no bevorstöh, woni no nüt vone weiss. U i wott nid vergässe, dass es Mönsche git, wo grad itz, i däm Momänt, e Stachu i ihrem Läbe hei, wo se achedrückt u viellecht sogar kaputt macht. Mönsche, wo nid Macht hei oder die usnütze.
I wott vor däm d Ouge nid zuetue. Drum isch dr Karfritig o e Erinnerigstag a das.
U söue mr dene Mönsche, wo itz die Stachle i ihrem Läbe hei, wo ne weh tüe – söue mr dene eifach säge: «Nimm dis Chrüz uf di, itz muesch haut lide.» Nei, süsch würd ds Lide zum ne Säubschtzwäck.
Lide, ds Lids aus Wäg zur Erlösig, das isch nid die chrischtlechi Story, nid die chrischtlechi Gschicht. Nid im Lide liegt d’Erlösig, sondern im Stärbe u Uferstah vo Jesus Chrischtus. Drum wott o i ir Hoffnig läbe, dass die Stachle u dr Tod nid ds letschte Wort hei. Die chrischtlechi Gschicht ändet nid mit em Chrüz u de Dorne u de Stachle, sondern geit witer id Uferstehig. I wott us – u mit dere Hoffnig uf die Stachle u Dornbüsch luege, wo mr im Läbe begägne u im Gloube wott i druf hoffe, dass sie nid unüberwindbar si. Nid wüu i se chönnt überwinde, sondern wüu dä se überwunde het, wo am Chrüz gstorbe u ar Oschtere uferstange isch.
Amen
Liebe Gemeinde
Vorhin haben wir den Text aus dem neunten Kapitel des Richterbuches gehört. Ich habe ihn zunächst recht neutral gelesen. Den letzten Vers aus der Jotam-Fabel möchte ich aber noch einmal etwas anders vortragen.
Der Dornbusch sagt zu den Bäumen – vielleicht mit einer etwas bissigen Stimme:
«Wenn ihr wirklich mich salben wollt, damit ich König über euch bin, kommt und sucht Zuflucht in meinem Schatten! Wenn aber nicht, wird Feuer ausgehen vom Dornbusch und die Zedern des Libanon verzehren.»
Die anderen Bäume hatten zuvor abgewinkt: der Ölbaum, der Feigenbaum und der Weinstock. Sie wollten nicht König werden, als sie von der Versammlung der Bäume darum gebeten wurden. Ihre Bestimmung ist es, Frucht zu tragen und damit Götter und Menschen zu erfreuen. Sie wissen, was sie wollen und was sie können. Sie streben nicht danach, über andere zu herrschen – so könnte man auch übersetzen, wenn es heisst: «Sollte ich mich über den Bäumen wiegen?»
Der Ölbaum, der Feigenbaum und der Weinstock haben das Angebot, über die anderen Bäume zu herrschen, ausgeschlagen. Sie wollen nicht über andere herrschen. Es genügt ihnen, Frucht zu tragen und damit Freude zu bringen.
Der Dornbusch reagiert anders. Es scheint fast, als sei er selbst ein wenig überrascht, dass gerade er gefragt wird: «Wenn ihr wirklich mich salben wollt, damit ich König über euch bin, wenn ihr das tatsächlich wollt, kann ich das schon machen.» Und er legt gleich sein königliches Programm vor: «Wenn ich König bin, dann erwarte ich etwas von euch. Und wenn das, was ich erwarte, nicht geschieht, dann schicke ich Feuer, Zerstörung und Schmerz.»
Der Dornbusch hat, wenn wir ehrlich sind, auch nicht viel anderes anzubieten. Früchte, die jemanden erfreuen könnten, trägt er nicht. Stattdessen hat er Dornen – Stacheln, die es schwierig machen, bei ihm Schutz und Schatten zu finden. Und dieser Dornbusch sagt nun: «Wenn ihr mich zum König wollt, dann lehne ich das Angebot natürlich nicht ab. Ich nehme es an.»
Beim Lesen dieses Textes ist mir noch etwas durch den Kopf gegangen. Als die Versammlung der Bäume zum Dornbusch kommt und ihn fragt, ob er König werden will, sagt er: „Wenn ihr mich zum König salben wollt…» – stellt euch einmal vor, man würde einen Dornbusch salben. Bei den anderen Bäumen – beim Ölbaum, beim Feigenbaum oder beim Weinstock – kann ich mir das viel leichter vorstellen. Aber schon bei der Vorstellung, einen Dornbusch zu salben, müsste klar sein: Das wird schmerzhaft. Wenn dieser König wird, dann wird das nicht gut ausgehen.
Hier endet die Fabel, die Jotam den Leuten von Sichem erzählt hat. Er erzählt sie, um die Stadt zu warnen. Doch ich muss noch etwas weiter vorne beginnen.
Jotam ist einer von siebzig Söhnen Gideons. Gideon war ein sogenannter Richter in Israel. Das heisst: Er war kein König. Aber wenn die Menschen Fragen hatten, Streitigkeiten oder Beratungsbedarf, dann kamen sie zu ihm, und er versuchte nach bestem Wissen und Gewissen zu helfen – zumindest am Anfang seines Lebens.
Im achten Kapitel des Richterbuches, also im Kapitel unmittelbar vor der Jotam-Fabel, sagen die Leute von Israel einmal zu Gideon: «Sei du unser König!» Und seine Antwort lautet: «Nicht ich werde über euch herrschen, und auch mein Sohn wird nicht über euch herrschen. Der Herr soll über euch herrschen.»
Doch als Gideon gestorben war, entstand – wie so oft – ein Machtvakuum. Einer seiner Söhne, Abimelech, sagte sich: «Wenn meine vielen Brüder nicht wären, dann wäre ich allein der Nachfolger Gideons und müsste dieses hohe Amt nicht mit ihnen teilen.» Und deshalb liess er alle seine Brüder töten. Allerdings nicht ganz alle. Jotam entkam, weil er sich versteckt hatte. Er war der jüngste der Söhne Gideons.
Die Leute von Sichem haben offenbar nicht ganz verstanden, mit wem sie es bei Abimelech zu tun hatten. Denn sie machten ihn tatsächlich zum König. Und nachdem das geschehen war, erzählte Jotam seine Fabel – die Fabel von den Bäumen –, um die Menschen zu warnen.
«Wollt ihr wirklich einen zum König einsetzen, der ein Massenmörder ist? Einen, der nicht davor zurückschreckt, seine Macht auf grausame Weise zu missbrauchen?»
Es ist klar, dass mit dem Dornbusch Abimelech gemeint ist – jemand, der für die Menschen in Israel und in Sichem sicher kein guter Beschützer sein würde, sondern vielmehr eine Gefahr. Eben ein Dornbusch mit Stacheln, der verletzt, und kein Feigenbaum mit guten Früchten.
Das Thema Macht und Machtmissbrauch – wie gehen die Oberen mit den Unteren um – wird im Alten Testament immer wieder aufgenommen. Das ist auch etwas, das die Bibel für mich so faszinierend macht. Dabei ist nicht eindeutig, ob das Königtum grundsätzlich als problematisch oder als sinnvoll angesehen wird.
Es gibt im Alten Testament Texte, die dem Königtum positiv gegenüberstehen. Denken wir an die Geschichten über König David oder – wir haben es vorhin gesungen – an die Geschichten über die Herrlichkeit Salomos. Aber es gibt auch Texte, die dem Königtum kritisch gegenüberstehen.
Was jedoch allen Texten gemeinsam ist: Ob mit König oder ohne – entscheidend ist das Hören auf Gott. Wer Macht hat, soll sich bewusst sein, dass Macht nicht ohne Pflichten kommt. Und im Hören auf Gott sollen diese Pflichten erkannt und verantwortungsvoll erfüllt werden.
Wenn man die Geschichten des Alten Testaments betrachtet, dann könnte man sagen: Es ist eine Abfolge von Geschichten, in denen Macht ausgenutzt und missbraucht wird – und die Autoren der biblischen Bücher kritisieren das immer wieder – im Blick auf Gott.
Du, König oder Anführer: Du bist nicht der Höchste. Also blähe dich nicht auf.
Mose, Abraham, auch König David – bei all diesen Gestalten taucht dieses Thema früher oder später auf. Nicht nur bei so schrecklichen Figuren wie Abimelech.
Eine der grossen Sünden, die von König David erzählt werden, ist zum Beispiel die, dass er das Volk zählen liess. Er führte eine Volkszählung durch. Und damit – so sagen die Texte des Alten Testaments – geriet er auf einen falschen Weg.
Warum?
Wer sein Volk zählen lässt, stellt sich über die anderen. Er zählt ja die anderen. Aber es geht noch weiter: Er weiss danach zwei Dinge. Erstens weiss er, wie viele Steuern er erwarten kann. Zweitens weiss er, wie gross seine Armee ist.
Das Problem liegt darin, dass sein Fokus falsch wird. Er will sich dienen lassen, statt sein Königtum als Dienst an den Menschen zu verstehen. Nein, sagen die biblischen Texte: Als Anführer eines Volkes bist du nicht der, dem gedient wird. Du bist der erste Diener.
So kann auch David – ein Mann nach dem Herzen Gottes – zu einem Dornbusch werden, wenn er den Fokus verliert und nicht mehr im Dienst seines Volkes steht, sondern die Menschen für sich arbeiten lassen will.
Und deshalb stellt sich die Frage: Wer heute nach Macht strebt – tut er dies, weil er anderen dienen will? Wer kürzlich gewählt wurde oder in den kommenden Wochen und Monaten gewählt wird – versteht er sein hohes Amt als wirklichen Dienst an den Menschen?
Die Antwort darauf können diejenigen geben, die einen Stimmzettel haben.
Auch die Jotam-Fabel beschreibt also nicht das Königtum grundsätzlich als schlechte Regierungsform. Aber sie wird auf eine ganz bestimmte Person angewendet – auf Abimelech. Und sie sagt: «Wenn ihr einen Massenmörder zu eurem König macht, dann wundert euch nicht, wenn daraus Schmerz entsteht. Es ist, als würdet ihr euch in einen Dornbusch setzen.»
Nun schauen wir noch auf einen anderen König. Einen, der ebenfalls mit Dornen und Stacheln in Verbindung steht.
Auch im Neuen Testament kommen Könige vor. Und von dem, von dem ich jetzt sprechen möchte, wird gesagt: Er ist der König der Könige. King of Kings.
Er hat einen Thron und er trägt eine Krone. Sein Thron ist das Kreuz. Und seine Krone ist aus Dornen.
Während der Dornbusch seine Stacheln nach aussen richtet und damit andere verletzt, nimmt dieser König die Dornen auf sich. Seine Krönung ist schmerzhaft, eine Verspottung, ohne Ruhm und Ehre. Seine Inthronisation ist die Kreuzigung.
Und doch sagen wir als Christinnen und Christen: Er ist der König der Könige.
Während der Dornbusch in der Jotam-Fabel seine Dornen aggressiv gegen andere richtet und ihnen droht, wird der König der Könige mit Dornen gekrönt. Er benutzt sie nicht, um andere zu verletzen, sondern er nimmt das Leiden, das diese Dornen symbolisieren, auf sich.
Das ist eine verrückte Geschichte, liebe Gemeinde. Aber sie dient uns als Vorbild, wenn wir über Königtum, Macht und Herrschaft nachdenken. Haben wir in unseren Machtpositionen Stacheln nach aussen oder nach innen? Setzen wir Menschen in Regierungen ein, die Stacheln gegen andere richten – oder gegen sich selbst?
Die Geschichte dieses Königs erinnert uns daran, dass es Dornen gibt. Vielleicht solche, die noch vor uns liegen, von denen wir jetzt noch nichts wissen. Und sie erinnert uns daran, dass es Menschen gibt, die gerade jetzt, in diesem Moment, einen Stachel in ihrem Leben haben – etwas, das sie niederdrückt oder vielleicht sogar zerstört.
Davor will ich die Augen nicht verschliessen. Darum ist der Karfreitag auch ein Erinnerungstag daran.
Sollen wir den Menschen, die jetzt solche Dornen in ihrem Leben haben, einfach sagen: „Nimm dein Kreuz auf dich, jetzt musst du eben leiden“? Nein. Denn dann würde das Leiden zum Selbstzweck werden.
Leiden um des Leidens willen – das ist nicht die christliche Geschichte. Die Erlösung liegt nicht im Leiden selbst, sondern im Sterben und in der Auferstehung Jesu Christi.
Darum möchte ich in und mit der Hoffnung leben, dass die Dornen und der Tod nicht das letzte Wort haben. Die christliche Geschichte endet nicht mit dem Kreuz, den Dornen und den Stacheln. Sie geht weiter – zur Auferstehung.
Mit dieser Hoffnung möchte ich auf die Dornbüsche schauen, die uns im Leben begegnen. Und im Glauben hoffe ich, dass sie nicht unüberwindbar sind. Nicht weil ich sie selbst überwinden könnte, sondern weil der eine sie überwunden hat – der am Kreuz gestorben und an Ostern auferstanden ist.
Amen.
9. September 2024, Johanneskirche, Bern
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Liebi Gmeind
Es isch idrücklech, we me sech mau drmit usenang setzt, wie viu Parallele es git zwüschem Lisme u Chiuche u Gloube. Es paar Sache hei mer itz scho grad ghört vo dr Anna. ZB. die politische Engagemas, ds Ufmerksammache vo dene Froue in Frankrich zB. uf Femizide, uf Tod, uf Morde, wo Froue erlitte hei vo ihrne Manne oder Ex-Manne in Frankrich. E prophetischi Stimm, wo öppis ufdeckt wird, erinneret is a äbe zB. a Prophete usem Aute Testament. Dr Natan, wo zum David chunnt und seit: «So wie du mit dr Bathseba und em Uria umgange bisch, das geit de nid.»
Oder ds Meditative, wo mir ghört hei. D’Anna, wo beschriebe het, dass sie bire Familie ghocket isch, wo öpper gstorbe isch u eifach dert isch gsi, eifach dert glismet het. Und das Lisme – so wie sie mrs vor em Gottesdienscht scho verzeut het, aber o itz grad wieder im Gottesdienst – das Lisme het für mi gwürkt, wie nes Gebät i die Situation ine, wo viel Truur ume isch.
Lisme, das isch für vieli us dr Highsociety früecher (aber gloub o no hüt) öppis gsi, wo me so chli Nase drüber grümpft het. I dr Oberschicht, da het me nid glismet, da het me gstickt. Das isch das, wo Königinne und Königinne-Töchtere viellecht gmacht hei. Auso das «Bottom-up», das vo unger ufe, das chunnt mr o so wie ne Parallele entgäge zur Chiuche, wo äbe d’Gschicht o agfange het mit em ne chlyne Bebe ire Chrippe und nid uf em ne gudige, mächtige, grosse Thron irgendwo im ne Palascht.
U hoffentlech, das isch mini Hoffnig, dass das o e Parallele isch, hoffentlech isch d’Chiuche e Ort, wo wes chalt isch, me warm überchunnt. Hoffentlech isch d’Chiuche e Ort, wo Schutz bietet, we äbe die Pfile vom Böse chöme cho z’flüge. U es gub no ganz viu witeri settigi Parallele.
U liebi Gmeind, i gah no e Schritt witer u säge: Gott lismet. Gott lismet! Das isch für die nächste paar Minute es wichtigs Biud i dere Predigt. Gott lismet.
U we du itz öpper bisch, wo nid so e änge Bezug het zum Lisme oder viellecht sogar schlächti Erfahrige mit em Lisme gmacht het, de ladeni i: Nimm dä Satz glich mit «Gott lismet».
Ich cha öich säge, dass ig ds letschte Mal wahrschinlech vor 30 Jahr glismet ha. Auso für au die, wo mi vorhär gfragt hei… Nei dä Pulli, wo i anne ha, hani nid sälber glismet (…vieusagende Blick zur Anna). Ig ha ds letschte Mau vor 30 Jahr glismet u mini Häng si aube füecht worde u es het sech aube so aus chli verchrampfet. Und nähr bin i zur Lehrerin u ha ihre die Lismete bracht. D’Nadle het me aube chum me chönne usezieh. Sie het de das Züg chli glockeret u mer’s nähr wieder i d’Hand drückt. I nes paar Minute bini aube wieder bire gstange bi u ha re mini verchrampfti Lismete wieder bracht.
I ha itz das Bild ibracht, i lade öich itz i, chömet mit mit däm «Gott lismet», o we i sälber itz nid e Lismi-Profi bi. Das wär gloub falsch, das z’säge.
E Frag, wo i mir eigentlich immer mal wieder steue, isch: Was mache mir eigentlich aus Chiuche i dere Gsellschaft? Was mache mir als Chiuche? Was isch üse Uftrag als Chiuche i dere Wält? Wartet öpper druf, uf das, wo mir säge, viellecht z’säge hei? Was isch üse Uftrag, was mache mir als Chiuche i dere Wält?
I wirdes i de nächschte Minute chli entfalte. I gloube üse Uftrag als Chiuche isch, dr Wält z’säge, Gott lismet und mir si iglade, mitzlisme.
Das, wo Gott schaffet i dr Wäut, lat sech sehr eifach mit Lismi-Bilder la beschribe. Mir hei vori scho es paari ghört, aber es git no witeri.
We mr d’Gschichte vo Gott mit sine Mönsche aluege, sig’s itz i de biblische Texte, aber o süsch Gschichte, wo mer z’ghöre überchöme, vo Lüüt, wo vo ihrem Glaube verzeue, de chunnt ganz hüfig zum Usdruck «Gottes Geduld». Geduld!
Es git ke schnäue Sprung zum ne Pulli, wo me lismet. Masche für Masche für Masche – inestäche, umeschlah, dürezieh, abelah – hunderti und hunderti Mal. Eso entsteit e Pulli. U Gott schaffet geduldig a dere Wält und a sim Rych, wo langsam zum Vorschien chunnt. Säute uf ei Schlag, sondern äbe i Veränderig, Masche für Masche.
O Gotteströii, wo isch wie ne rote Fade dür die Gschichte düre, wo immer wieder zum Usdruck chunnt. Viellecht ischs e rote, viellecht e bunte Fade, wo sech düre zieht. Mir gseh viellecht nume es Stück vo dere ganz grosse Lismete. Gott het aber d’Fäde i dr Hang.
Und grad so, wie ds’Lisme isch Gottes Schaffe i dere Wäud mängisch ganz unschinbar und im Chlyne.
U a däm, wo Gott lismet – a däm, wo Gott gschaffet, si mir äbe iglade mitzlisme. Gott seit im übertragene Sinn, so bin i drvo überzoge: «I ha hie agfange und mache o no witer. I las nid eifach la liege. Aber häufed dir o! Sid o derbi bi däm riesegrosse Projekt! Jedi Masche zeut!» Es git ke Handlig, wo z’chlyn oder z’unschinbar isch. We sie däm Strickmuster vo Gott entspricht, de isch jedes no so chlyne Mäscheli e Teil vo dere grosse Dechi, wo mr aui zäme lisme.
U da stellt sich natürlich d’Frag, wie lere mr de das Strickmuster, we mr da söue mitlisme? Da häufe üs die biblische Texte. Dert chöi mer das Strickmuster lere kenne. Aber i muess grad a zwone Site igränze. Die Texte, die biblische Texte, die si weder es wunderbar fertigs Museumstück, wo me nume hinger emne dicke Glas aluegt, wo mr nid chöi arüere, u wiit wäg vo üs si. Das si d’Bibutexte nid.
Und Bibutexte si aber o nid eifach e Art Aaleitig, e Strickaleitig für üses Läbe, wo me denn i d’Finger nimmt, we me se grad cha bruche u denn wägleit, wes eim nid passt.
I würd eher säge, d’Bibu isch es überlieferets Strickmuster. Es Muster vo Mönsche, wo mit Gott gläbt hei. Es Muster vo früechere Generatione. Es Muster, wo sech bewährt het. Es Muster, wo immer isch witergäh worde, aber o immer wieder vo Nöiem muess gseit, ghört, witergäh u verstange wärde.
We mr mit Gott lisme, de übernähme mr das Muster vo dene früechere Generatione, mir schaffe drmit. Es isch äbe nid eifach hinger ere Glasschibe, sondern mir nähmes id d’Hang u bruches.
Die früechere Generatione hei um Wörter und um Wort grunge, hei sech o widersproche, o i der Bibel, u sech eso gägesitig derzue iglade, witerzfrage. U so isch es Muster entstange, wo mer itz äbe hei. U drum frage mir o witer, drum söue mir o witerfrage.
I ha euch das Bispiu mitbracht, wie i mir das vorsteue. Das isch ds Bispiu vomene Theolog, das isch ds Bispiu vomene Pfarrer. Dir hättet ganz angeri Bispiu, dir würdet ganz am ne angere Ort, oder dir tüet ganz am ne angere Ort, witer lisme.
I ha öich ä Textilversion mitbracht vo däm Text, wo mr vorhär us Epheser 6 scho ghört hei. Das tönt öppe eso:
«Deshalb ergreift die Handarbeit Gottes, damit ihr an dem bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest umgürtet mit dem tragenden Gurt der Wahrheit und angetan mit der feinen Strickjacke der Gerechtigkeit und an den Füssen tragt die warmen Wollsocken mit festen Sohlen bereit für das Evangelium des Friedens. Vor allen Dingen aber legt euch den schützenden Schal des Glaubens um, mit dem ihr die Funken des Bösen ersticken könnt. und nehmt die farbige Strickmütze des Heils und die scharfe Nadel des Geistes, das Wort Gottes, das auseinandernimmt, was verstrickt ist und neu verbindet, was gerissen ist.»
Wo i a däm Text witerglismet ha, a däm Text us Epheser 6, dere Wafferüstig, hani mr plötzlich vorgsteut vor mim innere Oug, i hocki säuber ire Lismigruppe u sig dert am Lisme. U öpper i dere Gruppe schänkt grad Tee i u seit: «Hüt chunnt de no e bsungere Gascht i üsi Gruppe cho mitlisme. Dä, wo dr Epheser Brief gschriebe het.» U i aus Theolog ha mi natürlich gfreut. Oh, wow, i cha mau mit eim rede, wo e Teil vor Bibu gschribe het.
U tatsächlech chunnt dä, wo dr Epheser Brief gschriebe het ine u hockt grad näbe mir ab u fat o afa lisme. Mir si i ds’Gspräch cho zäme und i ha ihm nähr vo däm Gottesdienst verzeut u drvo, dass i si Text vo dr Wafferüschtig echli umgschribe ha. Dass i us dr Wafferüschtig mit viu Metall glismeti Chleider us Wulle gmacht ha. Äbe zum Bispiu e farbigi Chappe anstatt e Helm und Lismernadle anstatt es Schwärt.
Er het mr zueglost u witer glismet, Masche für Masche. I ha aber gmerkt, er stutzt scho e chli über mini Textilvariante vo sire Wafferüschtig. U är fragt mi: « Isch de für di d’Wält e Ponyhof? Läbsch du ire Umgäbig, wo aues weich u wullig u schön isch?»
U itz ha i hurti vo mire Lismete müesse ufluege u ha nähr nach churzem Nachedänke gseit: « Nei, so hani das nid gmeint. Ds Kämpferische i dim Text, das wett i eigentlech nid usestriche. Aber i bi prägt vo dene Wort vo Jesus i de Evangelie, vo dr Feindesliebi, vom Friede u vo däm angere Wäg aus dä mit em Schwärt. U drum si die Froue us Frankrich, wo sech mit em Lisme gäge Gwaut a Froue uflehne e Inspiration gsi, woni i dä Text neu witergschriebe u witerglismet ha. Mängisch isch mer dini militärischi Sprach eifach frömd. Vor auem wes doch drum geit, Liebi z’verbreite.
U i dänke a die Dechi, wo die Froue in Frankrich liesme für uf Femizide ufmerksam z’mache. I jedere Masche steckt e Gwautgschicht drinne. Das isch aus angere als eifach e gmüetlechi Wulledechi. U trotzdem liesme sie eifach u viellecht grad drum.»
Da het mi Gsprächspartner zueglost u het o hurti ufghört lisme u nächär gseit: «I hät dä Text o gärn so wie du lieber mit settige Wullebilder gschriebe. Aber was meinsch? Die Mönsche, wo ne grad Bombe uf d’Hüser gheie, wei die lieber e Helm oder äch e Chappe?»
Sini Frag trifft öppis. I weiss gar nümm, was säge. Wüu e Teil vo mir fingts guet, we es Regime wägputzt wird, wo 1000i u 1000i vo Demonstrantinne u Demonstrante umbracht het i de letschte Mönet u ids Gfängnis gschosse het u se gfolteret het. U e angere Teil i mir seit: Gwaut blibt Gwaut.
Hie bricht die Szene vo dere Lismigruppe ab. I ha mi jetzt ine Frag verstrickt, wo i hüt eso nid uflöse, se nid cha uflöse – u muess das hie o nid. Aber es isch e Frag, wo üs die ganz Zyt entgäge chunnt, wenn mr i d’Zyitige luege.
Am Afang vo dere Predig isch d’Frag gstange: Was mache mir aus Chiuche? Was isch üse Uftrag?
Und im übertragene Sinn hani die Frage so beantwortet. Mir lisme, mir tüe mitisme, mir tüe witerlismä.
Mir luege uf Gott und uf ds’Muster, wo Gott vormacht. U mir versueche, das Muster ufznäh, dass das, wo mir lisme, o tatsächlich zu däm passt, wo Gott mit dere Wäut vorhet. U i glaube u hoffe, ds grosse Strickmuster vo Gott passt zum glismete Pulli und nid zum isige Panzer. Er wähut ja i sire Liebi zu üs sogar d’Chrippe und ds’Chrüz und nid dr guldig Thron.
Mitlisme, witerlisme, das bedütet Verantwortig und Freiheit. Aber wüu i weiss, dass mis Muster, mis ganz eigete Muster mängisch destruktiv isch, glichenis gärn mit dim Muster ab, mit däm, wo du lismisch u luege, öbs zu dir passt.
U im Gottesdienscht luege mer zäme uf d’Strickmuster vo Gott.
Das isch wahrschinlech dr schwierigst Teil a dere chrischtleche Botschaft. Mir gäbe ds Muster nid vor, mir lisme mit, mir lisme witer. Aber ds Muster git dä vor, wo us Liebi zu de angere ds’Chrüz über e Thron gwählt het. Amen.
Liebe Gemeinde
Es ist eindrücklich, wenn man sich einmal damit auseinandersetzt, wie viele Parallelen es zwischen dem Stricken und der Kirche und dem Glauben gibt. Ein paar Dinge haben wir gerade schon von Anna gehört. Zum Beispiel das politische Engagement, das Aufmerksam-Machen dieser Frauen in Frankreich auf Femizide, auf Tod, auf Morde, die Frauen von ihren Männern oder Ex-Männern in Frankreich erlitten haben. Eine prophetische Stimme, durch die etwas aufgedeckt wird, erinnert uns an die Propheten aus dem Alten Testament. An Nathan, der zu David kommt und sagt: „So wie du mit Bathseba und Uria umgegangen bist, das geht so nicht.“
Oder das Meditative, von dem wir gehört haben. Anna hat beschrieben, dass sie bei einer Familie gesessen ist, bei der jemand gestorben ist, sie einfach dort gewesen ist, einfach dort gestrickt hat. Und dieses Stricken – so wie sie es mir vor dem Gottesdienst schon erzählt hat, aber auch jetzt gerade im Gottesdienst – dieses Stricken hat auf mich gewirkt wie ein Gebet in diese Situation hinein, in der viel Trauer da ist.
Stricken – das war für viele aus der High Society früher (aber ich glaube auch heute noch) etwas, über das man ein bisschen die Nase gerümpft hat. In der Oberschicht hat man nicht gestrickt, da hat man gestickt. Das war das, was Königinnen und Königstöchter vielleicht gemacht haben. Dieses „Bottom-up“, dieses Von-unten-nach-oben, das kommt mir auch wie eine Parallele zur Kirche entgegen, die ihre Geschichte ja auch mit einem kleinen Baby in einer Krippe begonnen hat und nicht auf einem goldenen, mächtigen, großen Thron irgendwo in einem Palast.
Und hoffentlich – das ist meine Hoffnung – ist das auch eine Parallele: Hoffentlich ist die Kirche ein Ort, an dem man Wärme bekommt, wenn es kalt ist. Hoffentlich ist die Kirche ein Ort, der Schutz bietet, wenn die Pfeile des Bösen angeflogen kommen. Und es gäbe noch sehr viele weitere solche Parallelen.
Liebe Gemeinde, ich gehe noch einen Schritt weiter und sage: Gott strickt. Das ist für die nächsten paar Minuten ein wichtiges Bild in dieser Predigt. Gott strickt!
Wenn du jetzt jemand bist, der keinen engen Bezug zum Stricken hat oder vielleicht sogar schlechte Erfahrungen mit dem Stricken gemacht hat, dann lade ich dich ein: Nimm diesen Satz trotzdem mit – „Gott strickt“.
Ich kann sagen, dass ich wahrscheinlich das letzte Mal vor etwa 30 Jahren gestrickt habe. Also für alle, die mich vorher gefragt haben … Nein, den Pullover, den ich anhabe, habe ich nicht selbst gestrickt (… vielsagender Blick zu Anna). Ich habe das letzte Mal vor 30 Jahren gestrickt, und meine Hände sind immer feucht geworden, und alles hat sich irgendwie verkrampft angefühlt. Und dann bin ich zur Lehrerin gegangen und habe ihr das Gestrickte gebracht. Die Nadeln konnte man kaum herausziehen. Sie hat das Ganze gelockert und mir wieder in die Hand gedrückt. Ein paar Minuten später stand ich wieder bei ihr und habe ihr erneut mein verkrampftes Gestrick gebracht.
Ich habe dieses Bild eingebracht, und ich lade euch ein: Kommt mit bei diesem Gedanken „Gott strickt“, auch wenn ich selbst kein Strick-Profi bin. Das wäre falsch, dies zu behaupten.
Eine Frage, die ich mir eigentlich immer wieder stelle, ist: Was machen wir eigentlich als Kirche in dieser Gesellschaft? Was machen wir als Kirche? Was ist unser Auftrag als Kirche in dieser Welt? Wartet überhaupt jemand darauf, auf das, was wir vielleicht zu sagen haben? Was ist unser Auftrag?
In den nächsten Minuten werde ich es ein wenig entfalten: Ich glaube, unser Auftrag als Kirche ist es, der Welt zu sagen: Gott strickt – und wir sind eingeladen mitzustricken.
Das, was Gott in der Welt schafft, lässt sich sehr gut mit Strickbildern beschreiben. Wir haben vorher schon einige gehört, aber es gibt noch weitere.
Wenn man die Geschichten von Gott mit seinen Menschen anschaut – sei es in den biblischen Texten, aber auch aus anderen Geschichten, die wir hören von Menschen, die von ihrem Glauben erzählen – dann kommt sehr häufig Gottes Geduld zum Ausdruck. Geduld!
Es gibt keinen schnellen Sprung zu einem Pullover, den man strickt. Masche für Masche für Masche – einstechen, Umschlag, durchziehen, abheben – hunderte und hunderte Male. So entsteht ein Pullover. Gott arbeitet geduldig an dieser Welt und an seinem Reich, das langsam zum Vorschein kommt. Selten auf einen Schlag, sondern in Veränderungen, Masche für Masche.
Gottes Treue wird immer wieder sichtbar wie ein Faden, der durch die Geschichte geht. Vielleicht ist es ein roter, vielleicht ein bunter Faden, der sich hindurchzieht. Wir sehen vielleicht nur ein Stück von diesem ganz großen Gestrick. Aber Gott hat die Fäden in der Hand.
Und genauso wie das Stricken ist Gottes Wirken in dieser Welt manchmal ganz unscheinbar und im Kleinen.
Und an dem, was Gott strickt – an dem, was Gott geschaffen hat – sind wir eingeladen mitzustricken. Gott sagt im übertragenen Sinn – davon bin ich überzeugt:
„Ich habe hier angefangen und mache auch weiter. Ich lasse es nicht einfach liegen. Ich habe hier angefangen und mache weiter. Aber helft ihr auch! Seid auch dabei bei diesem riesengroßen Projekt! Jede Masche zählt!“
Es gibt keine Handlung, die zu klein oder zu unscheinbar ist. Wenn sie dem Strickmuster Gottes entspricht, dann ist auch das noch so kleine Maschenstück ein Teil dieser großen Decke, an der wir alle zusammen stricken.
Da stellt sich natürlich die Frage: Wie lernen wir dieses Strickmuster, wenn wir da mitstricken sollen?
Dabei helfen uns die biblischen Texte. Dort können wir dieses Strickmuster kennenlernen. Aber ich muss gleich zwei Dinge einschränken: Diese Texte – die biblischen Texte – sind weder ein wunderbares fertiges Museumsstück, das man nur hinter einer dicken Glasscheibe anschaut und nicht berühren darf und das weit weg von uns ist. Das sind sie nicht.
Und biblische Texte sind auch nicht einfach eine Art Anleitung, eine Strickanleitung für unser Leben, die man zur Hand nimmt, wenn man sie gerade braucht, und wieder weglegt, wenn sie einem nicht passt.
Ich würde eher sagen: Die Bibel ist ein überliefertes Strickmuster. Ein Muster von Menschen, die mit Gott gelebt haben. Ein Muster früherer Generationen. Ein Muster, das sich bewährt hat. Ein Muster, das immer weitergegeben wurde, das aber auch immer wieder neu gesagt, gehört, weitergegeben und verstanden werden muss.
Wenn wir mit Gott stricken, dann übernehmen wir dieses Muster der früheren Generationen, wir arbeiten damit. Es ist eben nicht hinter einer Glasscheibe, sondern wir nehmen es in die Hand und gebrauchen es.
Die früheren Generationen haben um Worte gerungen, haben sich auch widersprochen – auch in der Bibel – und sich so gegenseitig eingeladen, weiterzufragen. So ist ein Muster entstanden, das wir jetzt haben. Und darum fragen wir weiter, darum sollen wir weiterfragen.
Das ist ein Beispiel, wie ich mir es vorstelle. Es ist das Beispiel eines Theologen, eines Pfarrers. Ihr hättet ganz andere Beispiele, ihr würdet an einem ganz anderen Ort weiterstricken.
Ich habe euch eine Textilversion des Textes mitgebracht, den wir vorher aus Epheser 6 gehört haben. Das klingt ungefähr so:
„Darum ergreift die Handarbeit Gottes, damit ihr am bösen Tag Widerstand leisten und alles überwinden und das Feld behalten könnt. So steht nun fest, umgürtet mit dem tragenden Gürtel der Wahrheit und angetan mit der feinen Strickjacke der Gerechtigkeit, und an den Füßen tragt die warmen Wollsocken mit festen Sohlen, bereit für das Evangelium des Friedens. Vor allem aber legt euch den schützenden Schal des Glaubens um, mit dem ihr die Funken des Bösen ersticken könnt. Und nehmt die farbige Strickmütze des Heils und die scharfe Nadel des Geistes – das Wort Gottes –, das auseinander nimmt, was verstrickt ist, und neu verbindet, was gerissen ist.“
Als ich an diesem Text weitergestrickt habe, an diesem Text aus Epheser 6 über die Waffenrüstung, habe ich mir plötzlich vor meinem inneren Auge vorgestellt, ich sässe selbst in einer Strickgruppe und würde dort stricken. Und jemand in dieser Gruppe schenkt gerade Tee ein und sagt: „Heute kommt noch ein besonderer Gast in unsere Gruppe zum Mitstricken – derjenige, der den Epheserbrief geschrieben hat.“
Und ich als Theologe habe mich natürlich gefreut. Oh, wow – ich kann einmal mit jemandem reden, der einen Teil der Bibel geschrieben hat.
Und tatsächlich kommt der Verfasser des Epheserbriefs herein, setzt sich neben mich und beginnt ebenfalls zu stricken. Wir kommen ins Gespräch, und ich erzähle ihm von diesem Gottesdienst und davon, dass ich seinen Text von der Waffenrüstung ein wenig umgeschrieben habe. Dass ich aus der Waffenrüstung mit viel Metall gestrickte Kleider aus Wolle gemacht habe – zum Beispiel eine farbige Mütze statt eines Helms und Stricknadeln statt eines Schwerts.
Er hört mir zu und strickt weiter, Masche für Masche. Aber ich merke schon: Er wundert sich ein wenig über meine textile Variante seiner Waffenrüstung. Und er fragt mich:
„Ist für dich die Welt ein Ponyhof? Lebst du in einer Umgebung, in der alles weich und wollig und schön ist?“
Nun muss ich schnell von meinem Strickstück aufschauen und sage nach kurzem Nachdenken:
„Nein, so habe ich das nicht gemeint. Das Kämpferische in deinem Text möchte ich eigentlich nicht streichen. Aber ich bin geprägt von den Worten Jesu in den Evangelien – von der Feindesliebe, vom Frieden und von diesem anderen Weg als dem mit dem Schwert. Und darum waren diese Frauen aus Frankreich, die sich mit Stricken gegen Gewalt an Frauen auflehnen, eine Inspiration, mit der ich deinen Text neu weitergeschrieben und weitergestrickt habe. Manchmal ist mir deine militärische Sprache einfach fremd. Vor allem, wenn es doch darum geht, Liebe zu verbreiten. Und ich denke an diese Decke, die diese Frauen in Frankreich stricken, um auf Femizide aufmerksam zu machen. In jeder Masche steckt eine Gewaltgeschichte. Das ist alles andere als einfach eine gemütliche Wolldecke. Und trotzdem stricken sie – vielleicht gerade deshalb.»
Mein Gesprächspartner hört zu, unterbricht auch kurz sein Stricken und sagt:
„Ich hätte diesen Text auch lieber mit solchen Wollbildern geschrieben. Aber sag mir: Die Menschen, denen gerade Bomben auf die Häuser fallen – wollen die lieber einen Helm oder eine Mütze?“
Seine Frage trifft etwas. Ich weiss plötzlich gar nicht mehr, was ich sagen soll. Denn ein Teil von mir findet es gut, wenn ein Regime gestürzt wird, das in den letzten Monaten tausende Demonstrantinnen und Demonstranten getötet, ins Gefängnis gesteckt und gefoltert hat. Und ein anderer Teil in mir sagt: Gewalt bleibt Gewalt.
Hier bricht diese Szene in der Strickgruppe ab. Ich habe mich jetzt in eine Frage verstrickt, die ich heute so nicht auflösen kann – und auch nicht auflösen muss. Aber es ist eine Frage, die uns ständig begegnet, wenn wir in die Zeitungen schauen.
Am Anfang dieser Predigt stand die Frage: Was machen wir als Kirche? Was ist unser Auftrag?
Im übertragenen Sinn habe ich diese Frage so beantwortet:
Wir stricken. Wir stricken mit. Wir stricken weiter.
Wir schauen auf Gott und auf das Muster, das Gott vormacht. Und wir versuchen, dieses Muster aufzunehmen, damit das, was wir stricken, tatsächlich zu dem passt, was Gott mit dieser Welt vorhat.
Und ich glaube und hoffe: Das große Strickmuster Gottes passt zu einem gestrickten Pullover – und nicht zu einem eisernen Panzer. Denn in seiner Liebe zu uns wählt Gott ja sogar die Krippe und das Kreuz – und nicht den goldenen Thron.
Mitstricken, weiterstricken – das bedeutet Verantwortung und Freiheit. Aber weil ich weiss, dass mein eigenes Muster manchmal destruktiv ist, vergleiche ich es gern mit deinem Muster, mit dem, was du strickst, und schaue, ob es zu dir passt.
Und im Gottesdienst schauen wir gemeinsam auf das Strickmuster Gottes.
Das ist wahrscheinlich der schwierigste Teil der christlichen Botschaft:
Wir geben das Muster nicht vor. Wir stricken mit. Wir stricken weiter.
Aber das Muster gibt der vor, der aus Liebe zu den anderen das Kreuz statt eines Thrones gewählt hat.
Amen.
8. März 2026, Johanneskirche, Bern
//Podcasts
11 Minuten-Bibel (zusammen mit Evelyne Baumberger)
1. Korinther 3,16f: Was bedeutet es, als Mensch ein Tempel Gottes zu sein?
(April 2025)
Apostelgeschichte 20,24: Mein Leben ist nicht wichtig!?
(Juni 2025)
Hebräer 10,23: Rituale helfen, damit wir die Hoffnung nicht vergessen
(Oktober 2025)
Johannes 3,17: Will Gott Menschen retten oder richten?
(Oktober 2025)
Johannes 17,1-2: Was bedeutet es, wenn Gott ewiges Leben schenkt?
(März 2026)
Gespräch mit Sarah-Maria Graber, ERF Medien
Tobias Rentsch – sprengt gerne Grenzen. Angetrieben vom Glauben von Gott an Menschen
(Dezember 2023)
//Texte
Falsche Sorge um das Christentum
(zusammen mit Evelyne Baumberger)
//Kolumnen
In seiner ersten Kolumne setzt sich Tobias Rentsch, Pfarrer an der Markuskirche in Bern, an den Abendmahlstisch. Und zeigt ihn uns als Ort, an dem die Vision einer gerechten Welt gefeiert wird.
Veröffentlicht: 11. Juni 2025 – hauptstadt.be
«Wow, dieser Tisch ist ein echtes Schmuckstück!», sagte der Besucher in der Kirche, in der ich arbeite. Er blieb vor dem grossen Abendmahlstisch stehen, der sich neben der Kanzel befindet. «Daraus könnte man etwas machen. Ich hätte einige Ideen, wie man diesen Tisch inszenieren könnte: VIP-Einladungen, Veranstaltungen, eine gute Bühne für besondere Gäste.» Seine Augen glänzten.
Doch Enttäuschung erfüllte sein Gesicht, als ich sagte:
«An dem Tisch passiert doch schon ganz viel.»
«Was denn?»
«Wir feiern Abendmahl.»
Mein Gast zuckte mit den Schultern. «Das haut aber niemanden aus den Socken.»
Das stimmt, dachte ich. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Von aussen gesehen beeindruckt das niemanden. Denn wer in der Kirche das Abendmahl feiert, tut das still, mit einfachen Mitteln. Brot. Wein. Keine Showeffekte. Kein Spektakel.
Und vor allem: Keine reservierten Plätze für besondere Personen. Wer sich hier versammelt, ist nicht Gastgeber*in – sondern Gästin. Immer. Alle. Egal, ob mit weissem Kragen und Talar oder in schlichten Alltagskleidern. An diesem Tisch gibt es keine Rangordnung. Keine VIPs. Keine erste Reihe und keine letzte.
Genau das macht es aus, dass dieser Tisch alles andere als gewöhnlich ist. Die Hierarchie fällt in sich zusammen. An diesem Tisch sind alle gleich. Nicht im Sinne einer Floskel, sondern als gelebte Praxis.
«An diesem Tisch sind alle gleich?», fragte mein Besucher, als ich meine Gedanken mit ihm geteilt hatte: «Das wäre ja noch schöner.»
Genau das ist der Punkt. Schöner wär’s.
Im Abendmahl lebt die Vision einer gerechten Welt. Wer hier feiert, tut das nicht blind für die Ungerechtigkeit, sondern gerade im Bewusstsein, dass es diesen Tisch als Gegenvision braucht. Denn es gibt viele Tische, an die Menschen nicht eingeladen sind. Es gibt Tische, an denen viele Stimmen nicht gehört werden. Und die Stimmen, die gehört werden, sind immer dieselben.
Der Abendmahlstisch widerspricht dem – nicht durch Ausgrenzung, sondern durch Offenheit. Nicht damit, dass hier VIP-Tickets verteilt werden, sondern als Erinnerung daran, dass es auch anders sein kann. Die sogenannten VIPs sind auch eingeladen, sie sind hier einfach keine VIPs. Es ist ein Ort, an dem nicht der Status massgeblich ist, sondern allein die Einladung zählt.
Und wer lädt dazu ein?
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Menschen, die sich aufführen wie König*innen, gibt es mehr als genug. Tobias Rentsch, Pfarrer an der Markuskirche, wirft mit der Jotam-Fabel aus dem Alten Testament einen kritischen Blick auf sie. Und auf uns.
Veröffentlicht: 9. Juli 2025 – hauptstadt.be
Die Jotam-Fabel erzählt eine Geschichte, in der sich Bäume treffen, als wären sie Menschen. Sie sind zusammengekommen, weil sie einen von ihnen zum König machen wollen. Als erstes sagt die Bäumeversammlung zum Ölbaum: «Du sollst unser König sein.» Der Ölbaum aber antwortet: «Nein, meine Früchte sind so schön und so nützlich. Ich will mich ihnen widmen, damit sie gut sind für die Menschen und die Götter. Das müsste ich aufgeben, wenn ich König wäre. Sucht euch einen anderen.»
Da wendet sich die Bäumeversammlung dem Feigenbaum zu: «Du sollst unser König sein.» Der Feigenbau winkt ab und erklärt: «Ich müsste meine Süsse aufgeben, wenn ich als König über andere Bäume regieren würde. Das will ich nicht.» Auch der Weinstock lehnt das Angebot, König zu werden, ab. Schlussendlich fragt die Versammlung den Dornbusch, ob er König über die Bäume sein möchte. Und der sagt: «Wenn ihr wirklich mich zu eurem König machen wollt, kommt und sucht Zuflucht in meinem Schatten!»
Untertanen, die Zuflucht unter Dornen suchen – das ist das starke Bild, das die Jotam-Fabel vermittelt. Es klingt nach Schmerz und Verzweiflung. Die alttestamentliche Fabel erzählt von Königen, die ihre Macht nach eigenem Gutdünken ausüben. Einmal eingesetzt, sind sie kaum wieder zu entfernen. Die Schmerzen, die ihre Entscheidungen verursachen, treffen selten sie selbst – sondern meist andere. Ihre Stacheln machen sie zu alles anderem als angenehmen Mitmenschen. Ihre Sicht auf die Welt zieht Bedürfnisse von anderen kaum in Betracht. Das königliche Wort wird zum Gesetz, Widerspruch ist unerwünscht. Ihre Versprechen verblassen schnell. Drohungen folgen rasch. Eigeninteressen werden rücksichtslos bedient.
Das biblische Gegenbild zu König Dornbusch ist Jesus Christus. Der König, der eine Dornenkrone trägt, der aber anderen Menschen dient und nicht sich selbst. Die Dornen seiner Krone sind nicht gegen andere gerichtet, sondern gegen ihn selbst. Der Schmerz trifft nicht das Gegenüber – er trifft den König.
Die Jotam-Fabel, ein uralter Text, ist für mich überraschend aktuell. Natürlich leben wir längst nicht mehr in einer Monarchie. Aber zeitgenössische König*innen und «Möchte-gern-König*innen» gibt es trotzdem. Sie zu finden – diese Aufgabe möchte ich dir, liebe*r Leser*in, nicht abnehmen. Manchmal reicht schon ein Blick in die Zeitung oder ins persönliche Umfeld, um einen König oder eine Königin zu sehen – und mitunter passiert es auch bei einem Blick in den Spiegel.
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In einer Berner Beiz ärgerte sich Tobias Rentsch über einen zu kleinen und zu teuren Burger. Seine emotionale Reaktion motivierte den Pfarrer der Markuskirche zu einem Plädoyer für mehr Demut.
Veröffentlicht: 27. August 2025 – hauptstadt.be
Kürzlich war ich innerhalb von einer Woche in zwei Restaurants.
Das erste kannte ich vorher nicht, im Internet wurde es aber hochgelobt. Also ging ich hin. Was aufgetischt wurde, liess dann aber zu wünschen übrig. Der Burger klein, der Preis eher hoch und die Saucen wirkten nicht frisch. Mein Urteil: Einmal und nie wieder.
Ein paar Tage später das zweite Restaurant, das ich schon länger kenne. Doch dieses Mal war auch hier die Erfahrung nicht so gut: Sie brachten das falsche Bier, vergassen die Vorspeise und das Fleisch war zu trocken. Objektiv betrachtet lief da einiges schief. Ich sagte zu meinem Freund: «Wenn wir das Restaurant nicht schon länger kennen würden, wir kämen wohl nie mehr hierher.» Und doch werde ich es wieder besuchen.
Das finde ich selber seltsam. Beim ersten Restaurant sage ich: Daumen runter, nie mehr. Aber beim zweiten Restaurant, das ich schon kenne: Daumen hoch, trotz allem. – Offenbar sind meine Urteile nicht besonders konsequent. Oder: Dass ich dort die Leute kenne, verfälscht im zweiten Fall mein Urteil. Man kann das positiv als Treue zu ihnen lesen. Oder kritisch als unfaire Bevorzugung.
Das mag banal klingen. Aber dann denke ich beim Blick in die Medien und in die Welt: Wenn es mir schon bei etwas Kleinem wie einem Restaurantbesuch schwerfällt, ein ausgewogenes, gut überlegtes Urteil zu treffen – wie viel schwieriger ist das erst bei grossen Fragen in Politik und Gesellschaft? Ob es um einen Burger oder um einen politischen Standpunkt geht: Persönliche Gefühle, Beziehungen oder vergangene Erfahrungen spielen in unser Urteil hinein – ob wir wollen oder nicht.
Darum plädiere ich für Urteile mit Demut.
Mir ist klar, dass jemand einwenden könnte: «Willst du etwa sagen, dass Urteilen immer schlecht ist? Dass wir zum Beispiel Gewalt keine klare und unmissverständliche Position entgegenhalten sollen, weil alles relativ ist? Das wäre doch eine üble Masche der Täter-Opfer-Umkehr!»
Ich antworte: «Nein, ganz im Gegenteil: Demut im Urteil heisst gerade nicht, untätig zu bleiben und zum Beispiel Gewalt zu relativieren. Es ist sehr wohl möglich, gegen Gewalt, Unterdrückung oder Ungerechtigkeit Position zu beziehen – und sich dabei bewusst zu sein, dass die eigene Sicht nie absolut sein wird.»
Was ich damit sagen will: Klar zu handeln, ohne die letzte Allwissenheit für sich in Anspruch zu nehmen ist kein Widerspruch. Mein Plädoyer dafür, Urteile mit Demut zu fällen, heisst nicht, dass wir keine Entscheidungen mehr treffen sollen – das wäre lebensfremd und feige. Ich finde sogar: Das Bewusstsein, dass das letzte Urteil nicht in unserer Hand liegt, erleichtert es, sich zu engagieren, Position zu beziehen und dafür einzustehen. Weil wir nicht so tun müssen, als wäre unserer Sicht absolut, öffnen wir Möglichkeiten zum Dialog und konstruktiven Lösungen.
Wenn ich es mir recht überlege, würde ich, nach alledem, was ich nun geschrieben habe, dem ersten Restaurant gerne noch einmal eine Chance geben.
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Ist alles möglich, wenn man sich nur richtig anstrengt? Nein, sagt Tobias Rentsch. Scheitern ist menschlich – und darin sieht der Pfarrer der Markuskirche grosses Potential.
Veröffentlicht: 24. September 2025 – hauptstadt.be
Es stimmt einfach nicht, dass wir alles erreichen können, wenn wir nur stark daran glauben, es uns vornehmen oder manifestieren. Menschen verfehlen ihre Ziele. Das kommt vor und ist ganz menschlich. Oft ist es schade und sogar traurig, wenn jemand für sein Ziel alles gibt und dennoch scheitert.
Von Zeit zu Zeit sehen wir Promis, die uns lächelnd versichern: «Wenn du dich nur genug anstrengst, wirst du es schaffen!» Alles scheint möglich – die perfekte Partnerschaft, die ideale Wohnung, das beste Leben. Im Umkehrschluss heisst das: Wer nicht «perfekt» lebt, hat sich nicht genug angestrengt? So einfach – so falsch und unmenschlich.
Viel menschlicher ist es anzuerkennen, dass Menschen scheitern. Nicht immer gleich, nicht bei jedem, aber es kommt vor. Manche gehen fast traumwandlerisch durchs Leben, andere scheinen das Unglück anzuziehen. Wer hier pauschal Engagement oder Haltung verantwortlich macht, verkennt die sozialen Unterschiede, die Menschen prägen.
Ziele werden gesetzt und verfolgt. Manchmal erreichen wir sie, manchmal nicht. Träume vom gemeinsamen Leben platzen, Beförderungen gehen an andere, sportliche Ziele bleiben unerreicht.
Doch wer sein Ziel nicht erreicht, ist noch nicht am Ende.
Die christliche Geschichte zeigt eine radikale Hoffnung. Als Jesus Christus am Kreuz stirbt, verfehlt Gott selbst sein Ziel. Mission accomplished? Ganz im Gegenteil! Ziel verfehlt – und doch endet die Geschichte nicht. Ostern erzählt: Es geht weiter, über das Scheitern hinaus. Aus dem ultimativen «Nicht geschafft» erwächst neues Leben.
Daraus ergibt sich eine ethische Perspektive: Wer nicht am Ziel ist und somit auch nicht am Ende, der ist mit niemandem und nichts wirklich fertig. Auch dort, wo Scheitern oder Enttäuschung auftritt, bleibt ein verborgenes Potenzial, eine Chance auf Versöhnung oder Neuanfang. Beziehungen, Freundschaften, Begegnungen – alles bleibt offen für eine mögliche Veränderung. Hingegen für jemanden die Todesstrafe zu fordern, ist die ultimative Version von «Ich bin fertig mit dir!».
Zu glauben heisst nicht, alles zu erreichen – sondern in Bewegung zu bleiben und offen zu sein für die Möglichkeiten, die noch zugespielt werden.
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Innehalten, um durchzuatmen, soll nicht nur Privilegierten vorbehalten sein, findet Tobias Rentsch, Pfarrer in der Markuskirche. Man schaffe einen heiligen Moment, wenn man jemandem zu einer Pause verhilft.
Veröffentlicht: 22. Oktober 2025 – hauptstadt.be
Manchmal braucht es eine Pause zum Durchatmen. Einen Moment, um die Schulter sinken zu lassen,den Atem kommen zu lassen, wie er will. Die Luft, die wir zum Leben brauchen, geben wir uns nicht selbst. Sie ist Geschenk.
Manche können es sich leisten eine Pause einzuschalten, andere können das nicht. Wer am Ertrinken ist, gönnt sich keine Pause im Kampf gegen das Untergehen. Wer nach Luft schnappen muss, denkt nicht ans Durchatmen.
Wir spüren es im eigenen Körper: die Müdigkeit, die Enge, das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Doch es sind nicht nur Einzelpersonen am Limit. Steht nicht die Welt unter Druck? – Kriege, Krise,Ungleichheit. Es ist ein Dilemma: Wenn wir jetzt eine Pause machen, riskieren wir, zu spät zu kommen. Wenn wir keine machen, riskieren wir, dass uns die Luft ausgeht.
In der Schöpfungsgeschichte der Bibel ruht Gott am siebten Tag. Nicht wie er müde wäre. Nicht weil er sich zu Tode geschuftet hätte. Nicht weil er die Freude an seiner Arbeit verloren hätte. Gott macht Pause, weil Aufhören Teil des Schaffens ist. Die Pause gehört zum Werk. Im siebten Tag liegt die Krone der Schöpfung – in der heiligen Pause. Sie veredelt das Geschaffene.
Was heilig ist, ist allen verfügbar und gehört doch niemandem – sonst ist es nicht heilig. Heiliges ist keine Privatsache. Und es ist nicht den Starken vorbehalten, den Erfolgreichen oder denjenigen, die sich die Zeit freischaufeln können. Oder sie freischaufeln lassen können. Die heilige Pause muss für alle gelten – auch für die, die es sich nicht leisten können abzuschalten.
Jemandem helfen durchzuatmen, damit er oder sie einen Moment lang die Schultern senken kann, um Luft holen zu können: Das würde dann bedeuten, einen heiligen Moment geschaffen zu haben.
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«Im Tod fällt ab, was im Leben oft Druck macht»: Tobias Rentsch teilt in seiner November-Kolumne Einblicke ins Lebensende, die ihm seine Arbeit als Pfarrer an der Markuskirche ermöglichen.
Veröffentlicht: 19. November 2025 – hauptstadt.be
Bei einem Todesfall werde ich als Pfarrer oft eingeladen. Die Gespräche mit den Hinterbliebenen über das Leben, den Tod und auch die verstorbene Person sind einzigartig. Die Einblicke in das Leben und die Lebensumstände, die mir ermöglicht werden, sind kleine und grosse Schätze. Sie helfen mir das Leben, das Sterben und den Tod ein bisschen besser zu verstehen.
Vielleicht fällt mir gerade deshalb dieser Gedanke ein: Der Tod ist «der grosse Gleichmacher» in der Welt. Leben wir vor dem Tod in sehr unterschiedlichen Zusammenhängen, so vereint der Tod alle in der ultimativen Passivität, der niemand ausweichen kann. Niemand leistet dann noch mehr als der oder die andere. Niemand erhält mehr Lohn dafür. Im Tod fällt ab, was im Leben oft Druck macht: Erwartung, Leistung, Vergleich. Wäre diese Perspektive aus dem Tod auf das Leben nicht zuweilen hilfreich im Hier und Jetzt? Ich denke schon.
Gott selbst gibt sich dieser Passivität des Todes hin – so, dass Jesus Christus selbst durch den Tod hindurchgeht. Im Evangelium ist der Tod nichts, das Gott überspringt, sondern etwas, das Gott von innen her kennt. Darin steckt die Hoffnung: Wenn selbst Gott diesen Weg nicht meidet, dann ist der Tod kein Raum, in dem wir allein sind. Es besteht die Hoffnung, dass es ein Ort ist, an dem auf uns gewartet wird.
Es ist seltsam tröstlich, dass Menschen am Ende des Lebens oft müde werden. Nicht weil der Tod nicht schmerzen würde – ein verstorbener Mensch hinterlässt eine Lücke. Sondern weil die Müdigkeit etwas Ehrliches hat. Sie passt den Übergang dem Körper an, der weniger kann und nicht mehr muss.
Gespräche über den Tod sind nicht einfach. Als Pfarrer werde ich quasi dazu gezwungen, diese Gespräche zu führen und ich bin sehr dankbar dafür. Sie haben das Potenzial den Blick für das Leben zu schärfen. Es gibt gute Gründe schon mitten im Leben mehr über den Tod zu sprechen und sich auf die Passivität, die er von uns einfordert, einzulassen. Der Monat November mit dem Ewigkeitssonntag dieses Wochenende eignet sich besonders gut dafür.
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Was könnten Schweizer Unternehmer von der Weihnachtsgeschichte lernen, wenn sie das Oval Office in Washington besuchen? Tobias Rentsch, Pfarrer an der Markuskirche, hat darüber nachgedacht.
Veröffentlicht: 17. Dezember 2025 – hauptstadt.be
Vor ein paar Wochen sorgten Schweizer Unternehmer für Aufsehen, als sie im Oval Office in Washington Geschenke überreichten. Neben einer teuren Luxusuhr hatten sie einen Goldbarren im Gepäck.
Als Pfarrer kann ich nicht anders, als die Szene im Zusammenhang mit der Weihnachtsgeschichte zu sehen – das ist wohl meine déformation professionelle.
Vielleicht magst du mich kurz in meinen Gedanken begleiten. Die Weihnachtsgeschichte, die alles andere als ein Idyll zeigt, kann auch im Umgang mit echten und selbsternannten König*innen überraschend lehrreich sein.
Die Parallele liegt auf der Hand: Im Matthäusevangelium bringen die Sterndeuter aus dem Osten Geschenke – und eines davon ist ebenfalls Gold. Gold, das die Würde des neugeborenen Königs anerkennt, sowie Macht und Huldigung ausdrückt. So weit, so parallel.
Doch dann wird es interessant: Neben Gold bringen die Sterndeuter nicht weitere Luxusgüter wie eine teure Uhr mit, sondern Weihrauch und Myrrhe. Myrrhe steht für Balsam, Heilung und Sorge – ein Mittel, um die Schmerzen der Menschen zu lindern und sie zu pflegen.
Wer einem König Myrrhe schenkt, huldigt ihm nicht nur, sondern erinnert ihn auch daran, Verantwortung zu tragen und seine Macht dafür einzusetzen, Leid zu lindern. In diesem Licht wäre es eine schöne Geste gewesen, wenn die Unternehmer auf ihrem Flug in den Westen auch Myrrhe eingepackt und verschenkt hätten.
Dass Weihrauch fehlte, kann ich hingegen sehr gut nachvollziehen. In der Weihnachtsgeschichte weist er auf die Göttlichkeit des gerade in Armut und unter prekären Bedingungen neugeborenen Kindes hin. Das hätte im Oval Office vielleicht zu Missverständnissen geführt.
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Das Leben ist voller oft trauriger Abschiede. Doch Tobias Rentsch, Pfarrer an der Markuskirche, verabschiedet sich als «Hauptstadt»-Kolumnist mit einem aufbauenden Gedanken.
Veröffentlicht: 21. Januar 2025 – hauptstadt.be
Manche Abschiede kündigen sich leise an. Auch diese Kolumne ist ein Abschied. In den letzten Monaten durfte ich einmal monatlich mit euch einen Gedanken teilen. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Es scheint, als müssten wir uns derzeit von vielem verabschieden. Als Weltgemeinschaft gerät die gemeinsame Ordnung – zumindest aus westlicher Perspektive – ins Wanken. Auch in der Schweiz geht die Gewissheit verloren, dass grosse Katastrophen immer nur anderswo passieren. Wo zuvor Ordnung war, dominiert bei vielen das Gefühl von Chaos.
Mein Abschied von dieser Kolumne ist in diesem Zusammenhang kaum der Rede wert. Und doch führt er mich zu einem Gedanken.
Deshalb biete ich in dieser letzten Kolumne ein Adieu an. Verstanden nicht nur als Abschied, sondern in der Hoffnung, dass die vielen Abschiede unseres Lebens – die ganz persönlichen ebenso wie jene auf der weltpolitischen Bühne – nicht ins Leere führen.
Wenn wir uns als plan- und orientierungslos erleben, hin und her geweht, dann steckt im A-Dieu die Hoffnung, dass selbst das grösste Chaos nicht das letzte Wort hat.
Und auch nicht der Tod. Sondern das Leben.
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//Medien
- 8. Juni 2025 – “Was wird an Pfingsten gefeiert?”
Tele BärnZum Beitrag(Video) - 20. April 2025 – “Osterlachen in der Berner Markuskirche”
TeleBärnZum Beitrag(Video) - 17. April 2025 – “Osterlachen – Hauptstadt-Brief #453
HauptstadtZum Beitrag - 17. April 2025 – “Wir bewegen uns zwischen Chaos und Ordnung”
HauptstadtZum Beitrag - 30. März 2024 – “Witze in der Kirche”
Radio SRFZum Beitrag(Audio) - November 2023 – “Der Tod hat nicht das letzte Wort”
Gewa Magazin “Gewagt”Zum Beitrag - 7. April 2023 – “Ich ‘schnurre’ einfach gerne”
Berner Zeitung/BundZum Beitrag - 2. Dezember 2022 – “Tut mein Fuss weniger weh, wenn jemand unabsichtlich drauf tritt?”
Berner ZeitungZum Beitrag - 6. Juni 2022 – “Deshalb feiern wir Pfingsten”
Tele BärnZum Beitrag(Video) - 2022 – “Paare brauchen Rituale”
Ernst MagazinZum Beitrag - 13. Mai 2021 – “Mehr als nur Ausflüge: Auffahrt”
Tele BärnZum Beitrag(Video) - 2020-2022 – “Nachgefasst – das “Fübi-Gespärch”
Gespräche an der Unfassbar mit Pedro Lenz, Steff la Cheffe, Tinu Heiniger, Shirley Grimes, Franz Fischlin u.v.m.Zum Kanal
//Agenda
| Datum | Ort | Zeit | Info |
| 06.05.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 13.05.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 20.05.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 27.05.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 31.05.2026 | Ostermundigen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 03.06.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 10.06.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 14.06.2026 | Ostermundigen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 17.06.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 21.06.2026 | Ostermundigen kath. Kirche | 10.00 Uhr | ökumen. Gottesdienst Adresse |
| 24.06.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 01.07.2026 | Zollikofen Kirchgemeindehaus | 19.00 Uhr | Bibellektüre Adresse |
| 04.07.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 17.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 12.07.2026 | Ostermundigen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 19.07.2026 | Ostermundigen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 26.07.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 30.08.2026 | Ostermundigen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 13.09.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 20.09.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 03.10.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 17.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 11.10.2026 | Ostermundigen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 01.11.2026 | Zollikofen ref.Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 15.11.2026 | Ostermundigen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 22.11.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 29.11.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
| 25.12.2026 | Zollikofen ref. Kirche | 10.00 Uhr | Gottesdienst Adresse |
//Kontakt
Tobias Rentsch, Pfarrer
tobias@rentsch.net
+41 79 935 16 90

Foto: Roland Juker Fotografie
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